Zwischen Verzweiflung und Protest
Indische Bauern, Gentechnologie und die »freie Marktwirtschaft«
(30.12.2005) Gerhard Klas
Grell, laut und bunt kommt der TV-Werbespot des Saatgut-Multis Monsanto daher. In der Regionalsprache Telugu, die im südindischen Bundesstaat Andhra Pradesh gesprochen wird, wirbt der Zeichentrickspot für das gentechnisch veränderte Baumwollsaatgut »Bollgard«, das Monsanto zusammen mit seinem indischen Partner Mahyco vertreibt. Grüne Baumwollkapselwürmer attackieren die ausgereiften Baumwollpflanzen. Doch deren Früchte, die Baumwollkapseln, verwandeln sich während der Attacke plötzlich in bewaffnete Geister, die mit ihren Säbeln die Würmer zerhacken. Gegen Ende des Spots taucht dann ein Bauer auf, gekleidet in einen traditionellen Lungi, der die Vorzüge der BT-Baumwolle von Mahyco-Monsanto anpreist. Die Bauern, sagt er, bräuchten keine teuren Pestizide mehr und hätten höhere Erträge, wenn sie das BT- Saatgut kaufen.
BT steht für Bacillus thuringiensis, ein Bakterium, das die Baumwollpflanze gegen den Kapselwurm, den ärgsten Feind der Pflanze, resistent machen soll. In Indien hat das Genetic Engineering Approval Committee, das der Zentralregierung in Neu- Delhi untersteht, im April 2002 drei Sorten BT-Baumwollsaatgut des Herstellers Mahyco-Monsanto freigegeben - zunächst begrenzt auf einen Zeitraum von drei Jahren. Damit entspricht die indische Regierung den Wünschen der globalen Hersteller von grüner Gentechnik und erfüllt außerdem die Vorgaben zahlreicher Abkommen der Welthandelsorganisation.
»Die Biotechnologie erzielt in der Landwirtschaft der Entwicklungsländer die höchsten Zuwachsraten, dort konnten wir unsere Umsätze um 28% steigern, in den entwickelten Ländern nur um 11%«, erklärte Peter Welters, dessen Unternehmen »Phytowelt« Ende des vergangenen Jahres eine internationale Biotechnologiekonferenz in Köln ausgerichtet hatte. An die Adresse der Kritiker fügte er hinzu: »Auch die Kleinbauern in diesen Ländern können ihre Einkommen verbessern, weil dieses Saatgut die Technologie mitliefert, um die Pflanze vor Schädlingen zu schützen.« Teure Pestizide würden dann nicht mehr gebraucht. Grüne Gentechnologie als »Win-Win- Situation« - alle können nur gewinnen.
siehe auch:
Was macht synthetische DNA im Blut?
Lex Monsanto - Patente statt Bomben
Haltet den Dieb?
Gentechnik-Gigant Monsanto kontrolliert Landwirtschaft
Die USA zwingen dem Irak genmanipuliertes Saatgut auf
GEN-Mais im Oderbruch
Monsanto hat die Pampa erobert
Monsantos Routine
Monsanto
|